Zum Terroranschlag in Berlin

Dieser Tag war ein Tag der ruhigen Töne. Ich habe eine meiner Weihnachtspredigten geschrieben, die so ganz anders geworden ist, als ich gestern noch gedacht hatte. Kann man jetzt noch Weihnachten feiern? Ja, gerade jetzt, denn es geht ja gerade darum, dass Jesus nicht geboren wurde, damit wir ein fluffiges, harmonisches Fest feiern können, sondern weil unsere Welt an so vielen Stellen krank und kaputt ist.

Ich habe gebetet. Für die Menschen, deren Leben sich gestern für immer verändert hat und für die Einsatz- und Rettungskräfte, die Bilder sehen mussten, die ganz tief in die Seele gehen.

Ich war dankbar und stolz – auf mein Land. Wir wussten, dass unter den Menschen, die wir bei uns aufnehmen, nicht nur Freunde sind, sondern auch Menschen, die uns ausnutzen und belügen, um unter uns Terror und Angst zu verbreiten. Trotzdem öffnen wir unsere Grenzen für Menschen, die aufgrund von Krieg, Hunger, ihrer politischen Überzeugungen, ihrer Nationalität oder sexuellen Orientierung viel Leid erleben müssen.

Heute war ich auch wütend. Auf die Menschen, die zwar nichts wussten, aber dafür in den letzten Stunden so viel von sich gegeben haben. Auf die Menschen, die den Terror von Berlin für ihre angstgesteuerten Schlachtrufe missbraucht haben. Werdet endlich erwachsen. Von einigen von euch werde ich mich hier heute Abend auf Facebook trennen. Ich lehne euch nicht als Menschen ab, nur möchte ich eure Parolen nicht mehr hören und meine Facebookseite soll euch nicht mehr zur Verfügung stehen.

Fast am Ende dieses Tages bleibt mir ein Gebet: „Erbarme dich, Herr, und wandle das, was war, in Segen.“
(Stefan Piechottka, Pastor)

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